Mayoress

"Mayoress – Promoting Women in Local Leadership" ist ein von der EU gefördertes Projekt zur Unterstützung von Bürgermeisterinnen in Deutschland, Frankreich, Österreich und Polen. Denn derzeit werden europaweit rund 85 % aller Rathäuser von Männern geführt. Mayoress bietet Bürgermeisterinnen Netzwerke, Erfahrungsaustausch und Mentoring an.

Länderinformation

 

Die Situation in Deutschland

Die Bedeutung von starken, funktionsfähigen Kommunen, die für Zusammenhalt sorgen und den Menschen eine Heimat geben, ist angesichts der jüngsten Krisensituationen sehr deutlich zu Tage getreten. Ob die Integration von geflüchteten Menschen oder die Bewältigung der Corona-Pandemie – Frauen und Männer in den kommunalen Führungspositionen sind stärker denn je in ihrem Amt gefordert. Ohnehin nimmt im föderalen System der Bundesrepublik die kommunale Selbstverwaltung eine herausgehobene Stellung ein: Dem Subsidiaritätsprinzip folgend sollen politische Entscheidungen möglichst auf der jeweils tieferen Ebene erfolgen. 

Unstrittig ist, dass in die Gestaltung von Kommunalpolitik vielfältige Perspektiven einfließen sollten. Doch nach wie vor sind die Stimmen von Frauen hier deutlich seltener zu hören: Der Anteil von Frauen unter den Bürgermeister*innen lag im September 2020 bei 9 % und unter den Oberbürgermeisterinnen im April 2020 bei 8,1 %. 2008 lag er in den deutschen Großstädten immerhin noch bei 17,1 %. Auch bei den Landräten fehlen die Frauen: Über 90 % der 294 Landkreise werden von Männern regiert.

Unter den (ehrenamtlichen) Kreis-, Stadt- und Gemeinderäten ist der Anteil höher und beträgt im Durchschnitt
27 %. Aber auch dies bedeutet, dass in den Kommunen mehr als doppelt so viele Männer wie Frauen über die Belange der Bürgerinnen und Bürger entscheiden.

Zudem gibt es im Bund und in den Landesparlamenten Rückschritte zu verzeichnen: im Deutschen Bundestag fiel der Anteil der weiblichen Parlamentarierinnen mit 31 % auf den Stand von vor 20 Jahren. In den einzelnen Bundesländern liegt der Anteil durchschnittlich bei 30 %, in den Stadtstaaten darüber, in anderen deutlich darunter.

Warum sind Frauen unterrepräsentiert?

Die anhaltende Unterrepräsentanz von Frauen in der Politik hat viele Gründe. Zum einen wirken die historischen Weichenstellungen nach, denn die moderne parlamentarische Demokratie entstand explizit unter dem Ausschluss von Frauen und ihre Verfahren, formellen und informellen Spielregeln sind weiterhin männlich geprägt. Zum anderen spielen soziokulturelle Faktoren eine Rolle: Frauen haben in der Regel weniger Zeit und Ressourcen um Beruf, Familie und zeitaufwändiges partei- bzw. kommunalpolitisches Engagement zu vereinbaren.  Zudem zeigen die Nominierungspraktiken in den Parteien, dass Männer größere Chancen haben als Kandidaten aufgestellt zu werden, sofern sich die Parteien nicht selbst verbindliche Regelungen gegeben haben. Aktuell haben nur drei Parteien – Bündnis 90/Die Grünen, die LINKE sowie die SPD – Geschlechter- bzw. Frauenquoten.

Schließlich spielt das Wahlrecht eine wichtige Rolle: im Verhältniswahlrecht mit Listen haben Frauen größere Chancen als im Mehrheitswahlrecht. Dies kommt insbesondere bei den Wahlen für das Bürgermeisteramt zum tragen, da die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in allen Bundesländern direkt durch die Bevölkerung gewählt werden. Es kann sich immer nur eine Person durchsetzen und entsprechend hoch ist die Konkurrenz – auch innerhalb der eigenen Partei. Männer haben hier oft die besseren Startbedingungen: Sie üben häufiger herausgehobene Berufe in entsprechenden Positionen aus, sie haben mehr Zeit sich bekannt zu machen, ihre Netzwerke zu pflegen und sie verfügen häufig über größere finanzielle Ressourcen, um einen erfolgreichen Wahlkampf zu führen. 

Was kann getan werden?

In allererster Linie sind die Parteien selbst gefordert. Sie müssen kontinuierlich für mehr Frauen als Mitglieder werben und ihnen dann aber auch reale Chancen für ein politisches Amt geben. Qualifizierte Frauen gibt es genügend – in den zivilgesellschaftlichen Organisationen und Vereinen und natürlich auch in der Kommunalverwaltung selbst. Es geht darum, Frauen gezielt anzusprechen und zu unterstützen und zwar nicht erst, wenn die nächste Wahl vor der Tür steht oder wenn sich kein anderer Kandidat findet, sondern rechtzeitig und vorausschauend.

Eine wichtige Rolle spielt auch der Aufbau von Netzwerken unter Frauen. In Deutschland ist mit dem Helene Weber-Kolleg, das vom Bundesfamilienministerium gefördert und von der EAF Berlin koordiniert wird, ist eine parteiübergreifende Plattform für Frauen in der Kommunalpolitik entstanden. Das Kolleg bietet auf vielfältig Weise Information- und Unterstützung, z.B. in Form von Mentoring- oder Empowerment-Programmen. Für herausragende Leistungen von Frauen in der Kommunalpolitik wird zudem seit 2009 der Helene Weber-Preis vergeben, benannt nach einer der vier Mütter des Deutschen Grundgesetzes.

2019 fand erstmals ein vom Deutschen Städte- und Gemeindebund organisierter großer kommunalpolitischer Frauenkongress statt. Insgesamt sind die kommunalpolitischen Spitzenverbände in Deutschland wichtige Akteure, um die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in den kommunalen Führungspositionen voran zu bringen.

In den letzten Jahren sind auch unter den Bürgermeisterinnen selbst Netzwerke entstanden. Manche informell, wie in Baden-Württemberg, manche organisiert, wie in Bayern oder Nordrhein-Westfalen. Hierüber können sich Bürgermeisterinnen gegenseitig unterstützen und austauschen, aber auch als Vorbilder sichtbar werden und andere Frauen ermutigen.

Zahlen, Fakten, Informationen zum Weiterlesen

Viele Informationen und Programme rund um Frauen in der (Kommunal-)Politik finden Sie auf der Webseite des Helene Weber Kollegs.

Die  Studie „Frauen führen Kommunen“ (2014) der EAF Berlin untersucht die Karrierewege  von Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern in Ost- und Westdeutschland. 2019 - 30 Jahre Deutsche Einheit - schließt die EAF Berlin an die Studie an und führt mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa und in Partnerschaft mit der Zeitschrift Kommunal eine repräsentative Befragung unter insgesamt 1.100 Bürgermeisterinnen und Bürgermeisterin in Gemeinden mit mindestens 1.000 Einwohner*innen im gesamten Bundesgebiet durch. Die Untersuchung “Bürgermeisterinnen und Bürgermeisterin 30 Jahre nach der Wiedervereinigung” in den Sie im Download-Bereich.

Über 1.000 Kommunalpolitikerinnen aus mehr als 500 repräsentativ ausgewählten Städten und Gemeinden haben in der Studie „Engagiert vor Ort“ der EAF Berlin, die im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend durchgeführt wurde, berichtet, wie sie Kommunalpolitikerinnen geworden sind und welche Erfahrungen sie als diese gemacht haben.

 

Bürgermeisterinnen im Gespräch

Interview mit Beata Klimek - Bürgermeisterin in Ostrów Wielkopolski, Polen.

"Frauen sollten den Mut besitzen, sich ehrgeizige Ziele zu setzen. Man muss in der Lage sein, für die Themen zu kämpfen, die für die Stadtbewohner*innen wichtig sind. Frauen müssen wirklich anfangen, daran zu glauben, dass ihre Ära angebrochen ist."

 

"Politik ändert sich: Weg von den eingefahrenen Strukturen hin zu mehr Dialogen, Bürgernähe und zu einem Out-of-the-box-Denken."

Wie können Frauen erfolgreich Bürgermeisterwahlen gewinnen? Bei Sibylle Keupen, neue Oberbürgermeisterin in Aachen, stehen die Bürger*innen im Mittelpunkt. Im Wahlkampf und auf der politischen Agenda.

"Ich glaube an die treibende Kraft der Veränderung zum Besseren. Schon von klein auf habe ich mich ehrenamtlich engagiert."

Aleksandra Dulkiewicz ist die erste Stadtpräsidentin von Danzig (rund 470.000 Einwohner*innen). 2022 möchte sie wieder zur Wahl antreten. Sie ist seit März 2019 im Amt­, ausgebildete Juristin und alleinerziehende Mutter. Das Interview führte EAF-Expert Anna Stahl-Czechowska.

"Gerade als Frau in diesem Job muss man standhaft bleiben. Besonders dann, wenn Gegenwind kommt."

Birte Kruse-Gobrecht ist seit 2016 Bürgermeisterin von Bargteheide. 2022 möchte sie wieder zur Wahl antreten. Die Juristin ist zudem beratend in den Bereichen Organisations- und Personalentwicklung tätig.

"Beim Einstieg in die Politik kann die Begleitung durch eine Mentorin eine große Hilfe sein."

Lisa Stremlau (SPD) ist 2009 erstmals zur Bürgermeisterin der Stadt Dülmen gewählt worden und damit auch Chefin der Verwaltung. Zuvor war sie 38 Jahre als Lehrerin tätig. Im September 2015 wurde sie erneut zur Bürgermeisterin gewählt.

"Liebe junge Frauen: Seid mutig, seid selbstbewusst!"

Dagmar Jeske ist seit 2016 Bürgermeisterin von Velen. Derzeit kandidiert sie – inmitten der Coronakrise – wieder für das Amt unterstützt von SPD, UWG und Grüne.

Spoken Word Art

Poetry-Slam mit Jessy James LaFleur

FwieKraft

Die Dichterin, Sängerin und Aktivistin beschreibt in ihrem Poetry-Slam auf berührende Weise die Herausforderungen und die "stillen Kämpfe" mit denen sich viele Frauen und Bürgermeisterinnen heute auseinandersetzen müssen.

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  • Click here for the English version.
  • Tutaj można znaleźć polskie tłumaczenie tekstu.

 

Projektsteckbrief

Projektpartner

EAF Berlin (Projektleitung), Österreichischer Gemeindebund, Instytut Spraw Publicznych – Institute of Public Affairs, Association des maires ruraux de France, élues locales, Deutscher Städte- und Gemeindebund

Projektzeitraum

2019 – 2021

Projektmodule:

Networking-Aktivitäten für Bürgermeisterkandidatinnen und Bürgermeisterinnen
In Nordrhein-Westfalen (NRW) und Schleswig-Holstein werden Empowermentmaßnahmen für Bürgermeisterinnen entwickelt und getestet; darüber hinaus wird ein Peer-Mentoring für weibliche Bewerberinnen in NRW angeboten, in dessen Rahmen sich die Kandidatinnen gegenseitig beraten und unterstützen.

European Mayoress Campus
Der European Mayoress Campus wird den persönlichen Gedanken- und Erfahrungsaustausch sowie die politische Zusammenarbeit zwischen Frauen in den Kommunalverwaltungen der beteiligten Länder fördern und zum Aufbau nachhaltiger Netzwerke beitragen. 

Expert*innenforum
Ausgewiesene Expert*innen aus verschiedenen europäischen Ländern und der Europäischen Kommission werden an einem Forum teilnehmen und Handlungsempfehlungen entwickeln.

Projektpartner*innen und Kooperationen

This project is founded by the Rights, Equality and Citizenship Programme of
the European Union (2014 – 2020).

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Gefördert vom:

Das Projekt wird ko-finanziert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.