Das Helene Weber Kolleg

„Mehr Frauen in die Parlamente!“ – das ist das Ziel des Helene Weber Kollegs (HWK). Egal ob im Bundestag, in den Landtagen, Stadt- oder Kreistagen – Frauen sind nach wie vor unterrepräsentiert. Das HWK hilft, das zu ändern. Mit dem aktuellen Entwurf des Koalitionsvertrags 2018-2021 wurden Helene Weber Kolleg und Helene Weber Preis erneut festgeschrieben, eine Verstetigung der Angebote wird angestrebt. Die Entwicklung und Weiterentwicklung der HWK-Angebote basieren auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Befragung von ehrenamtlichen kommunalen Mandatsträgerinnen und von hauptamtlichen Bürgermeister*innen sowie auf der Evaluationder bisher durchgeführten Aktivitäten.

Unsere Namensgeberin: Helene Weber

Helene Weber (1881-1962) war zeitlebens eine engagierte Politikerin, Streiterin für das Frauenwahlrecht - und ging als eine der vier Mütter des Grundgesetzes in die Geschichte ein.

Am 17. März 1881 wird Helene Weber in Elberfeld bei Wuppertal als zweites von sechs Kindern des Volksschullehrers Wilhelm Weber und seiner Frau Agnes Christiane Weber geboren. Schon Wilhelm Weber ist kommunalpolitisch aktiv: Als Ortsvorsitzender in der Zentrumspartei. 1900 schloss Helene Weber ihre Ausbildung zur Volksschullehrerin am Lehrerinnenseminar in Aachen ab – der damals höchstmögliche Bildungsabschluss für Frauen.

Doch die Zeiten ändern sich und Helene Weber nutzte die Chancen, die sich ihr boten: Sie studiert Geschichte, Philosophie, Romanistik und Sozialpolitik in Bonn und Grenoble und arbeitete anschließend als Studienrätin in Bochum und Köln. In dieser Zeit begannen ihre politischen Aktivitäten im „Frauenstimmrechts-Verband für Westdeutschland“. 1916 gründete sie gemeinsam mit Hedwig Dransfeld in Köln die „Soziale Frauenschule des Katholischen Deutschen Frauenbundes“, die sie bis 1919 leitete. Bei den Wahlen zur verfassunggebenden Nationalversammlung erringt Weber als Kandidatin der Deutschen Zentrumspartei im Wahlkreis Düsseldorf ein Mandat. Im selben Jahr wird sie zusätzlich als Referentin ins Preußische Ministerium für Volkswohlfahrt berufen.

Nach Auflösung der Nationalversammlung übernimmt sie als Ministerialrätin im Preußischen Ministerium für Volkswohlfahrt die Leitung des Dezernats "Soziale Ausbildung und Jugendfragen" und wird Vorsitzende des Reichsfrauenbeirats, der 1933 aufgelöst wird. 1930 verleiht die Universität Münster Helen Weber die Ehrendoktorwürde der Staatswissenschaften. 1933 Weber wird wegen "politischer Unzuverlässigkeit" fristlos aus dem Staatsdienst entlassen: alle politischen Aktivitäten werden ihr untersagt. Sie verbringt die Zeit des Nationalsozialismus im Fürsorge- und Caritasdienst in Berlin. Direkt nach Kriegsende schließt Helene Weber sich der neu gegründeten Christlich Demokratischen Union (CDU) an, 1946 wird sie Abgeordnete des ersten nordrhein-westfälischen Landtags.

In den Jahren 1948-1949 wird sie Mitglied des Parlamentarischen Rates. Dabei spricht sie sich für die Formulierung der Würde des Menschen, aber gegen eine „schematische“ Gleichberechtigung von Männern und Frauen aus, um den „Eigenwert“ der Frau zu bewahren, tritt jedoch gleichzeitig tritt sie für die Verankerung des Rechtes auf Lohngleichheit ein. Letztlich einigen sich die Mitglieder des Parlamentarischen Rates auf den Vorschlag von Elisabeth Selbert: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“.

1949 wird Weber als Kandidatin der CDU im Wahlkreis Aachen-Stadt in den Ersten Deutschen Bundestag gewählt und ist bis 1958 Vorsitzende der Frauenvereinigung der CDU. Ihre Themen sind Familienpolitik und die Gleichberechtigung der Frau.

Nach dem Tod von Elly Heuss-Knapp, der Gattin des Bundespräsidenten Theodor Heuss, übernimmt Weber 1952 den Vorsitz des Kuratoriums des Deutschen Müttergenesungswerks. Diesen hält sie bis 1959 inne.

1956 wird ihr das Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern verliehen. Anlässlich ihres 80. Geburtstags im Jahre 1961 verleiht Bundespräsident Heinrich Lübke Weber das Schulterband zum Großen Bundesverdienstkreuz. Am 25. Juli 1962 stirbt Helene Weber nach längerer Krankheit im Alter von 81 Jahren in Bonn.

Quellen:

Haunhorst, Regina/Trösch, Sven: Biografie Helene Weber, in: LeMO-Biografien, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Text: CC BY NC SA 4.0

Unsere Angebote

Helene Weber Preis

Der Helene Weber Preis ist eine Auszeichnung für herausragende Kommunalpolitikerinnen und wurde bisher drei Mal (2009, 2011, 2015) vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) verliehen.  Der Preis würdigt das Engagement von Frauen in der Kommunalpolitik und macht ihre Leistungen öffentlichkeitswirksam sichtbar. Die Kandidatinnen werden von Bundestagsabgeordneten vorgeschlagen und von einer parteiübergreifenden Jury ausgewählt. Mit dem Preis ist die konkrete Förderung der Preisträgerinnen verbunden. Neben der Vergabe eines Preisgeldes für die Durchführungen von Aktivitäten vor Ort, erhalten alle Preisträgerinnen ein individuelles Coaching zur Planung ihrer politischen Laufbahn sowie Trainings und Unterstützung beim Aufbau ihres Netzwerks. Die Preisträgerinnen wirken im HWK als Vorbilder und Botschafterinnen für mehr Frauen in der Kommunalpolitik.

Empowerment-Programme

Die Empowerment-Programme haben zum Ziel, interessierte  Frauen an die Kommunalpolitik heranzuführen.  Für den Zeitraum 2019-2021 wird das Kolleg die Zielgruppen in den Blick nehmen, die bisher noch nicht in dieser Weise angesprochen wurden: jüngere Frauen -  insbesondere politisch interessierte und engagierte Studentinnen, die (noch) nicht kommunal- und parteipolitisch aktiv sind - sowie Frauen mit Mig-rationshintergrund.  

Aktionen vor Ort

Die Preisträgerinnen erhalten für Aktionen vor Ort Unterstützung und werden bei der  Planung und Umsetzung lokaler Aktivitäten von der EAF beraten. Als Ideengeber steht außerdem ein Aktionsleitfaden zur Verfügung.

Ausstellung "Mütter des Grundgesetzes"

Die Ausstellung würdigt das politische Engagement der vier Frauen im Parlamentarischen Rat 1948/49, die überparteilich zusammengearbeitet und den Gleichberechtigungsartikel im Grundgesetz verankert haben. Seit 2009 ist die Ausstellung in ganz Deutschland unterwegs und kann seit Januar 2018 als Print-on-demand Ausstellung angefragt und selbst ausgedruckt werden.

Internationaler Austausch

Im Oktober 2018 ist das vom Auswärtigen Amt geförderte Deutschlandjahr in den USA gestartet, an dem sich das Helene Weber Kolleg im Rahmen des Projektes „Women in Local Leadership" der EAF Berlin beteiligt hat. Das Projekt läuft Ende 2019 aus und verfolgt das Ziel, den Austausch mit Kommunalpolitikerinnen aus dem Bundesstaat Ohio zu fördern.

Im EU-Projekt „Mayoress“ (2019-2021) stehen das Empowerment und die Vernetzung von Bürgermeisterinnen aus Deutschland, Frankreich, Polen und Österreich im Mittelpunkt.  Ziel ist es, die Erhöhung der Repräsentanz von Frauen in lokalen Führungspositionen/Bürgermeisterämtern zu fördern und die Öffentlichkeit für die Notwendigkeit einer besseren Geschlechtergleichstellung in der lokalen Führung zu sensibilisieren. Das Projekt wird von der Europäischen Kommission gefördert.

Politikerin werden

Sie wollen Kommunalpolitikerin werden? Hier geben wir einen kurzen Überblick über den Weg in die Kommunalpolitik und erklären die wichtigsten Begriffe.

KommunalCampus 2019

Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend lädt das Helene Weber Kolleg engagierte Kommunalpolitikerinnen und politische Neueinsteigerinnen aus ganz Deutschland  ein.