Digitale Kommunalpolitik

Samstag, 28. September 2019
10:30 Uhr - 17:00 Uhr
Amplifier Berlin

Nur wenige Kommunalpolitiker*innen haben eine eigene Webseite oder sind in den sozialen Medien aktiv – und das ist auch nachvollziehbar. Denn viele Mandatsträger*innen sind ehrenamtlich aktiv: mangelnde Zeit und/oder fehlendes technisches Know-how erschweren den Einstieg. Doch die Digitalisierung macht auch vor der Kommunalpolitik nicht halt. Sie verändert die Strukturen und Prozesse von Meinungsbildung grundlegend. In den Wochen vor Wahlen steigt das Informationsbedürfnis rasant an und mittlerweile gehört das Internet zu den Hauptinformationsquellen der Wähler*innen. Webseiten und insbesondere soziale Netzwerke eröffnen Politiker*innen wie Aktivist*innen damit neue Wege, ihre Botschaften zu vermitteln und eine breite Wählerschaft zu erreichen. Gleichzeitig ist die Kommunikation in den sozialen Netzwerken keine Einbahnstraße. Parteien und Politiker*innen stehen im direkten Kontakt mit den Menschen. Insbesondere die Kommunalpolitik, die viel stärker als Bundes- und Landespolitik von persönlichem Kontakt zwischen Mandatsträger*in und Wähler*in lebt, kann davon profitieren.

Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend lädt das Helene Weber Kolleg daher engagierte Kommunalpolitikerinnen und politische Neueinsteigerinnen aus ganz Deutschland zum 3. KommunalCampus ein. Hierbei wird gezeigt, wie Kommunalpolitik im digitalen Zeitalter partizipativ und bürgernah gestaltet werden kann, wie Kommunalpolitikerinnen die sozialen Medien erfolgreich für sich nutzen können, welche Perspektiven virtuell basiertes politisches Engagement bietet und auch wie mit feindseligen Kommentaren umgegangen werden kann.

Programm

10:30 Uhr     Willkommen

11:00 Uhr      Begrüßung und Grußwort BMFSFJ

11:20 Uhr      Key Note
                          
Martin Fuchs, Politik-und Digitalberater

12:00 Uhr     Praxisgespräch

                          Marlen Pankonin,
                          Landesvorstand SPD Baden-Württemberg

                          Johannah Illgner, Plan W

12:30 Uhr     Vorstellung der Workshops

13:00 Uhr      Lunch und Networking

14:00 Uhr     Workshop Session 1

15:00 Uhr      Pause mit Kaffee und Kuchen

15:15 Uhr       Workshop Session 2

16:30 Uhr      Verabschiedung

17:00 Uhr      Ende der Veranstaltung

Workshops

Storytelling – Politik erlebbar machen!

Sina Laubenstein / Neue deutsche Medienmacher*innen

Es ist kein Geheimnis, dass Social Media auch und vor allem durch Bilder und Videos bestimmt wird, denn: Visuelle Inhalte aktivieren in sozialen Netzwerken mehr Menschen als reine Textbeiträge. Mittels Storytelling werden Botschaften verständlich und die eigene politische Arbeit greifbar – denn längst geht es bei Plattformen wie Instagram und Snapchat nicht mehr nur um Fotos aus dem letzten Urlaub und von dem eigenen Mittagessen. Doch die Kunst der Bildsprache will gelernt sein. Worauf es ankommt, wird im Workshop besprochen und ausprobiert.

Digitale Partizipation

Alexa Schaegner / politik-digital e.V.

Ob Online-Petition, digitale Bürgersprechstunde oder E-Voting: Die Digitalisierung sorgt für neue Möglichkeiten, den Kontakt zwischen Bürger*innen und Politiker*innen intensiver sowie direkter zu gestalten. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag, um die Arbeit von Mandatsträger*innen transparenter zu machen. Im Workshop werden verschiedene Formate und insbesondere das Projekt „Digitale Bürgersprechstunde“ vorgestellt.

 

Social Media Strategien für Politiker*innen

Johannah Illgner / Plan W

Wähler*innen über Social Media-Kanäle zu mobilisieren, steht mittlerweile bei vielen Politiker*innen auf der Agenda. Doch ein Profil allein ist noch lange keine Erfolgsgarantie. Vorher kommt es darauf an, die wichtigsten Fragen beantworten zu können: Welcher Social Media Kanal passt zu meiner Arbeit und meinem Publikum? Wer sind meine Zielgruppen? Welche Interessen möchte ich vertreten? Diese und weitere Fragen werden gemeinsam beantwortet und diskutiert.

Sexismus im Web   Hatespeech und Debattenkultur als Aufgaben des Community Managements

Anna Schiff / Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW

Die Verlagerung der politischen Debatten in die Sozialen Medien bietet großen Nutzen, zum Beispiel die Möglichkeit mit Bürger*innen in den Dialog zu treten. Gleichzeitig stellt sie gerade diejenigen, die im Netz sichtbar sind, auch vor neue Herausforderungen – Politiker*innen sind häufig verbaler Gewalt und Sexismus ausgesetzt. Das kann auch ein Grund dafür sein, sich aus Diskussionen zurückzuziehen oder gar nicht erst einzubringen.

Im Workshop erhalten Sie Informationen zur Sensibilisierung und Stärkung. Sie lernen Strategien für den Umgang mit Hass und Sexismus in den Sozialen Medien. Wir beschäftigen uns mit folgenden Fragen: Was ist Hatespeech? Wie kann ich Haltung zeigen? Wann muss, wann sollte ich Haltung zeigen? Wie und woran erkenne ich strafbare Inhalte? Wie lässt sich Gegenrede einbringen und anwenden?

Speaker*innen

Martin Fuchs / Politik- und Digitalberater

Martin Fuchs berät Regierungen, Parlamente, Parteien, Politiker*innen und Verwaltungen in digitaler Kommunikation. Zuvor arbeitete er als Politik- und Strategieberater in Brüssel und Berlin. Seit 2008 ist er Lehrbeauftragter für Public Affairs an der Universität Passau und Dozent für Social Media und Politik an weiteren Hochschulen. Martin Fuchs ist Gründer der Social-Media-Analyse und Benchmarking-Plattform pluragraph.de und bloggt über Social Media in der Politik unter hamburger-wahlbeobachter.de. Als Kolumnist des Fachmagazins „Politik & Kommunikation“ und Gastautor u.a. für NZZ, ZEIT ONLINE, Hamburger Abendblatt und andere Medien schreibt er über digitale Kommunikation.

Johannah Illgner / Plan W

Johannah Illgner ist Politikwissenschaftlerin und Gründerin sowie Inhaberin von Plan W, der Agentur für strategische Kommunikation. Die Agentur bietet diversitybewusste und gendersensible Kommunikationsberatung für Akteur*innen aus Wirtschaft, Parteien, Verwaltungen, Verbänden und NGOs an. Sie hat sich den Themen Diversity, Empowerment von Frauen und weibliche Netzwerke verschrieben – arbeitet aber auch an Queerschnittsthemen wie New Work und Digitalisierung.

Sina Laubenstein / Neue deutsche Medienmacher*innen

Sina Laubenstein ist Politikwissenschaftlerin und arbeitet seit 2016 bei den Neuen deutschen Medienmacher*innen. Als Projektmanagerin ist sie für die Umsetzung der Europarats-Initiative No Hate Speech Movement in Deutschland zuständig. Die Neuen deutschen Medienmacher*innen setzen sich für mehr Vielfalt in den Medien und diskriminierungssensible Berichterstattung ein, das "No Hate Speech Movement" empowert Menschen, sich gegen Hass im Netz stark zu machen. Nicht nur beruflich, auch privat ist Sina Laubenstein auf und in den sozialen Medien unterwegs.

Marlen Pankonin

Marlen Pankonin leitet seit 2014 das Wahlkreisbüro eines Bundestagsabgeordneten. Sie selbst sagt, es ist ihr Traumjob. Nachdem ihre zwei Söhne aus dem Gröbsten raus waren, hat sie die Politik für sich entdeckt. Erst engagierte sie sich ehrenamtlich in der Elternarbeit, dann in der SPD. Hier war sie fast sechs Jahre lang Vorsitzende des Heidelberger Kreisverbands und Kandidatin für die Landtagswahl 2016. Aktuell ist Marlen Pankonin Mitglied im Landesvorstand der SPD Baden-Württemberg.

Alexa Schaegner / politik-digital e.V.

Alexa Schaegner studierte Politikwissenschaften und Publizistik an der Universität Wien und der Freien Universität Berlin. Seit April 2013 arbeitet sie in der Redaktion von politik-digital.de. Als Redakteurin organisierte sie unter anderem digitale Formate der politischen Kommunikation wie die Digitale Bürgersprechstunde und die Berliner Hinterhofgespräche und schrieb an einem Gutachten für das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) zur Online-Bürgerbeteiligung an der Parlamentsarbeit mit. Seit Anfang 2015 ist sie operative Leiterin des digitalen Partizipationsprojekts für Schulen “aula: Schule gemeinsam gestalten“.

Anna Schiff / Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW

Anna Schiff ist zertifizierte Social Media Managerin und studierte Geschlechterforscherin. Sie hat mehrjährige Erfahrung im Bereich der digitalen Öffentlichkeitsarbeit für NGO’s und Stiftungen. Für die Rosa-Luxemburg-Stiftung hat sie die Broschüre »Ist doch ein Kompliment. Behauptungen und Fakten zu Sexismus« verfasst. Darin werden niedrigschwellig Argumente an die Hand gegeben, um Sexismus und sexistischen Äußerungen begegnen zu können.

Moderation: Stefanie Lohaus

Stefanie Lohaus ist Leiterin Kommunikation der EAF Berlin. Anfang 2008 war sie eine der vier Gründerinnen des Missy Magazine, das sie zehn Jahre lang als Geschäftsführende Redakteurin leitete und dessen Herausgeberin sie bis heute ist. Außerdem ist sie Gründungsmitglied der Kolumnenredaktion 10nach8 auf Zeit Online. 2016 war sie Mitverfasserin der Kampagne #ausnahmslos gegen sexualisierte Gewalt und gegen Rassismus.