EAF Studie, Ergebnisse einer repräsentativen Befragung (2020)

Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in Deutschland 30 Jahre nach der Wiedervereinigung

30 Jahre Deutsche Einheit hat die EAF Berlin zum Anlass genommen, um erneut einen differenzierenden Blick auf Bürgermeister*innen in Deutschland zu richten: Wie bewerten sie den Stand der Deutschen Einheit? Was sind heute die größten Herausforderungen, vor denen sie stehen? Und wie ist das Geschlechterverhältnis an der Spitze der Rathäuser?

Zu diesen Fragen hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der EAF Berlin und in Partnerschaft mit der Zeitschrift Kommunal eine repräsentative Befragung unter insgesamt 1.100 Bürgermeisterinnen und Bürgermeisterin in Gemeinden mit mindestens 1.000 Einwohner*innen im gesamten Bundesgebiet durchgeführt. Die EAF Berlin schließt damit an ihre Studie "Frauen führen Kommunen" an, welche 2014 durchgeführt wurde. 

 

Ergebnisse der Studie im Überblick

 

  • Hinsichtlichtlich der Meinungen zum Stand der deutschen Einheit herrscht insgesamt große Übereinstimung. Nahezu alle Bürgermeister*innen in Ost und West (96 %) sind der Ansicht, dass die Bevölkerung alles in allem stolz darauf sein kann, was bei der Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland bislang erreicht wurde. Sie sind sich aber überwiegend (74 %) auch einig, dass es auch heute noch spezifisch ostdeutsche Probleme gibt, die diskutiert und gelöst werden müssen.

 

  • Bezüglich des Anteils von Frauen und Männern unter den Bürgermeister*innen zeigt die Studie: Nicht einmal jedes zehnte Rathaus wird von einer Frau regiert. Ihr Anteil liegt bei lediglich neun Prozent und stagniert damit seit Jahren auf niedrigem Niveau. Relevante Unterschiede zeigen sich hinsichtlich der Gemeindegröße: Je kleiner die Gemeinde desto höher der Anteil von Frauen. Das bedeutet auch, dass Frauen das Amt verhältnismäßig häufiger im Ehrenamt ausüben - auf fast jede zweite Bürgermeisterin trifft das zu, aber nur auf ca. jeden vierten Bürgermeister. 

 

 

  • Die Ursachen dürften auch darin liegen, dass die Bedingungen für Frauen im Amt schwieriger sind als für ihre männlichen Kollegen. Die Erfahrungen der befragten Bürgermeisterinnen zeigen deutlich, dass sie im Zuge ihrer Kandidatur stärker mit Widerständen konfrontiert werden (50 % der Frauen und 37 % der Männer) und Vorbehalte aufgrund ihres Geschlechts (27 % der Frauen) erleben. Hinzu kommt, dass die Bürgermeisterinnen in höherem Maße Beleidigungen und Bedrohungen (76 % zu 67 %) bis hin zu sexueller Belästigung (13 %) ausgesetzt sind. 

 

  • Es bleibt deshalb ein wichtiger Handlungsauftrag der Politik und der Parteien, zivilgesellschaftlich und kommunalpolitisch engagierte Frauen zu stärken, politische Rahmenbedingungen sowie Parteistrukturen- und Kulturen so zu verändern, dass Frauen und Männer gleichermaßen ihr Potenzial, ihre Perspektiven und ihren Gestaltungswillen einbringen können. Letzendlich ist dies auch eine Frage der Nachwuchssicherung - für die öffentliche Verwaltung ebenso wie für die Parteien. 

 

  • Die Bedeutung eben dieser Nachwuchssicherung unterstreichen die Ergebnisse der Studie. Denn für Bürgermeister*innen steht fest: Jede*r Dritte wird bei der nächsten Wahl nicht noch einmal kandidieren, das trifft sowohl auf Ost- als auch auf Westdeutschland zu. Die Gründe dafür liegen ganz überwiegend im fortgeschrittenen Alter der Amtsinhaber*innen. Es deutet sich hier ein Genereationswechsel an, der auch neue Chancen für vielfältige Perspektiven in Deutschlands Rathäusern eröffnet. 

 


Publikation zum Download

Bürgermeister*innen in Deutschland


Publikation zum Download

Frauen führen Kommunen


EU-Projekt Mayoress

Expertise zum Thema Bürgermeisterinnen

Ein Projekt zum Empowerment und zur Vernetzung von weiblichen Führungspersonen in der Kommunalpolitik in Deutschland, Frankreich, Polen und Österreich.